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Krimifans auf Reisen
Britische Krimiautorinnen (und -autoren) lassen stilvoll und elegant morden. Allein die Beschreibung des Tatorts freut anglophile Krimifans, kann man sich doch so
herrlich einfühlen in die Enge im Dorf-Idyll oder die Hinterlist im Herrenhaus. Ermitteln Sie bei der nächsten Reise doch einmal selbst an den Schauplätzen Ihrer Lieblingsverbrechen!
Fragt man bekennende Krimifans,
warum gerade die englischen Kriminalromane ihnen so viel Freude bereiten, kommt oft die Antwort, dass sie eine so tolle Atmosphäre vermitteln, spannend sind, ohne blutrünstig oder
actionlastig zu sein, und „eben in Großbritannien spielen“. Und wirklich sind es neben den Straßen von London, die immer wieder zum (literarischen)
Tatort werden, gerade die einsamen Landstriche Englands, die die Phantasie der KrimiautorInnen anregen.
Es kann kein Zufall sein, dass gerade in Ostengland so viele herausragend gute
Krimis spielen. Schon Dorothy Sayers ließ Lord Peter Wimsey in den Nebeln der Fens auf Mörderjagd gehen. In der weiten, flachen Landschaft mit ihrem
schier endlosen Himmel, den unzähligen Flüssen, Kanälen und Wassergräben und der allgegenwärtigen See wird selbst aus der Kunst des Wechselläutens eine
Mordwaffe („Der Glocken Schlag“). Auch P. D. James lebt und schreibt in dieser Landschaft. Ihre Romane um Adam Dalgliesh, den Gedichte schreibenden
Superinspector, führen an die Küste Norfolks („Ein unverhofftes Geständnis“, „Tod eines Sachverständigen“ u. a.) und bringen dem Leser den Reiz dieser Landschaft nahe.
Ruth Rendell hat ebenfalls eine Schwäche für Ostengland, ein großer Teil ihrer Bestseller ist hier angesiedelt. Der fiktive Ort Kingsmarkham, in dem ihr
berühmter Inspektor Wexford ermittelt, liegt allerdings in Sussex, unweit des südenglischen Seebads Brighton. Hier spürt er den Abgründen der „Dämonen
hinter Spitzenstores“ nach und findet schon einmal heraus, dass die Mordwaffe eine Rundstricknadel war.
Das fiktive Scardale, ein abgelegenes
Dorf mit eigenbrötlerischen Bewohnern in Derbyshire, ist „Ein Ort für die Ewigkeit“, in dem Val McDermid ein lange verjährtes Verbrechen aufklären lässt. In Nordengland, in der rauen
Landschaft des Peak District, spielt einer der Erfolgsromane von Elizabeth George, die zwar Amerikanerin ist, jedoch trotzdem äußerst britisch schreibt („Undank ist der Väter Lohn“). Im
walisisch-englischen Grenzgebiet wiederum, in Shrewsbury, ermittelt mit modernen Methoden und psychologischem Scharfsinn ein mittelalterlicher Mönch:
Ellis Peters lässt ihren Bruder Cadfael im 12. Jahrhundert Kräuter mischen und Mörder entlarven.
Viele atmosphärisch dichte Krimis führen den Leser in die wildromantischen
Grafschaften im Südwesten Englands. Schon Sir Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes nutzte ja seinen Spürsinn im Dartmoor und löste das Rätsel um
den „Hund von Baskerville“. In Devon ist aber auch Dame Agatha zu Hause gewesen. Ein Besuch auf Burgh Island lässt „Das Böse unter der Sonne“ wieder aufleben – Mrs. Christie
schrieb gerne bei einem Insel-Aufenthalt im dortigen noblen Art-Deco-Hotel, das ihre Phantasie anregte. Ihre Vorliebe für von Parks
umgebene Herrenhäuser, in denen um einer Erbschaft wegen gemordet wurde, oder kleine, scheinbar intakte Dorfgemeinschaften spürt man in vielen
Christie-Romanen. Man ertappt sich als Besucher der Stately Homes doch immer wieder dabei, hinter die Vorhänge der viktorianischen Speisezimmer zu spähen
oder in einer älteren Dame mit zartlila gefärbtem Haar, die ihre Rabatten gießt, eine Miss Marple zu vermuten. Wirkung zeigt auch der Roman „Eishaus“ vonMinette Walters
: Kaum ein Leser, der nicht beim Besuch einer Gartenanlage beim Anblick einer solchen Vorratshöhle im Erdreich an den grausigen Leichenfund denken muss.
Asherton, der prächtige Familienstammsitz von Elizabeth Georges Protagonisten Thomas Lynley, liegt in Cornwall und natürlich kommt es zum Mord, als er mit
seiner Verlobten ein Wochenende daheim verleben will („Mein ist die Rache“). Ideale Urlaubslektüre bietet auch „Der schwarze Falter“ von Barbara Vine
(unter diesem Namen schreibt Ruth Rendell Psychokrimis mit Tiefgang). In Lundy View House am schier endlosen Sandstrand von Gaunton (unverkennbar Saunton
Sands in Nord-Devon) finden Ehefrau und Töchter eines scheinbar ehrbaren Schriftstellers nach dessen Herztod heraus, dass nichts in seinem Leben so war,
wie es schien. Sein Leben war ein Lügengespinst, so dicht wie der weiße Nebel, der vom Meer heraufzieht. Und genau wie dieser löst es sich nach und nach auf –
sehr zum spannenden Vergnügen des gebannten Lesers.
Scene of the Crime – ein Reiseführer zu den Schauplätzen britischer Verbrechen
Echte Krimifans werden ihre Lieblingsbücher mit auf Reisen nehmen und in den Buchläden nach neuen „Geheimtipps“ Ausschau halten. Es gibt einige Autoren, die
hierzulande noch völlig unbekannt sind, in Großbritannien aber eine treue Fangemeinde haben. So können Sie also als Souvenir Ihrer Reise ein paar neue
Entdeckungen mitbringen. Viele Tipps und Reisevorschläge findet man in Julian Earwakers und Kathleen Beckers „Scene of the Crime – A Guide to the
Landscapes of British Detective Fiction“ (Aurum Press, London), das sich wie ein „Wo spielt was“ der britischen Krimis liest.
Britische Tatorte im Fernsehen
Es sind nicht mehr nur prachtvolle Herrenhäuser und rosafarbene Cottages, die bei Fernsehproduktionen als Tatort dienen, sondern zunehmend alltägliche Settings wie
Reihenhaussiedlungen, Einkaufszentren oder Studentenwohnheime. Auch scheint es so, als hätten die schrulligen alten Damen und wohlerzogenen Lords im Krimifach Konkurrenz bekommen.
Pathologen ecken mit detektivischem Spürsinn bei der Polizei an (Dr. Sam Ryan tut dies sanft lächelnd in Cambridge, Kollege MacCallum sorgt für schottisches
Lokalkolorit in den Ermittlungen), der schwergewichtige Polizeipsychologe Fitz bringt in Manchester Licht ins Dunkel und Frauen zum Verzweifeln. Erst kürzlich
wurden die Bestseller von Minette Walters („Eishaus“, „Die Bildhauerin“, „Dunkle Kammern“) in Deutschland ausgestrahlt. Die verfilmten Fälle des Inspektor Morse
zeigen die wunderbare Kulisse der Colleges von Oxford, der Stadt, in der Colin Dexters Alter Ego gern seinen Whisky trinkt und Menschen beobachtet. Ruth Rendells Inspektor Wexford
löste schon einige ostenglische Verbrechensfälle im deutschen Fernsehen und auch Thomas Lynley, der nicht nur Hauptkommissar, sondern zudem Spross einer alten Adelsfamilie ist, ermittelt
nunmehr auf dem Bildschirm – die erste Folge, „Gott schütze dieses Haus“, die in Yorkshire angesiedelt ist, war bereits erfolgreich in deutschen Wohnzimmern zu Gast.
Zu Fuß zum Tatort In der Dunkelheit sind sie am eindrucksvollsten, die Stadtführungen durch London
auf den Spuren von „Classic Murders & Crimes“, von Sherlock Holmes oder Jack the Ripper. Bevor Donald Rumbelow seine „Jack the Ripper
Haunts“-Tour anbot, war er Polizist in London und gilt als der Experte für den „Ripper“. Sicher weiß er genauso viel über den spektakulären Fall wie die
amerikanische Kriminalschriftstellerin Patricia Cornwell, die nach jahrelanger Recherche das Rätsel nun gelöst haben will. (Die Führungen sind im Internet unter london.walks.com
beschrieben.) Wem der Schlitzer zu blutrünstig ist, der spaziert lieber die Agatha Christie Mile entlang, die an der eleganten Torbay in Südwestengland den
Spuren der großen Lady of Crime folgt. Im Tourist Information Centre von Torquay, wo der Weg beginnt, erhält man alle nötigen Informationen. Während
Agatha Christies Miss Marple und Monsieur Poirot noch in der guten alten Zeit hinter mörderische Geheimnisse kamen, verfolgt Ian Rankins Inspektor Rebus erst seit ein paar Jahren finstere Verbrecher in
Schottlands Hauptstadt Edinburgh. Der neue Superstar am Krimihimmel beschreibt die Tatorte so treffend, dass die Rebus Tours gleich drei Führungen im Programm haben: „The Life and Times of
Inspector Rebus“, „The Water of Death“ und „Hidden Holyrood Tour“.
Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von www.reiserat.de
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Bücher zum Thema

Tod eines Sachverständigen

Schlussblende

Undank ist der Väter Lohn

Im Eishaus
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